Rechenschaftsbericht für das Jahr 1998


Inhalt:

Liebe Patin! Lieber Pate! Liebe Freunde!

Hilfe am Beginn des Lebens - Der Verein HCI und die Waisenkinder von DOROHOI

Hilfe für die Straßenkinder - Familie und Ausbildung - Die Kinderfarm und das Haus Sfintu Ignatiu

Integration in die Gesellschaft - Einstieg in das Berufsleben

Brief von P. Georg Sporschill SJ

Impressum


Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß wir die in der gedruckten Fassung des Berichtes veröffentlichte genaue Finanzaufstellung nicht im Internet publizieren! Mitglieder erhalten diese Zusammenstellung selbstverständlich beim Verein bzw. per Post mit dem Rechenschaftsbericht oder in der Generalversammlung!


Liebe Patin! Lieber Pate! Liebe Freunde!

Im Herbst 1999 sind es genau fünf Jahre, seitdem unser Verein gegründet wurde. Wir möchten uns daher bei Ihnen allen für die Unterstützung der Straßenkinder in Bukarest ganz besonders bedanken! Ihre Hilfe hat dazu beigetragen, daß zumindest einige Kinder die Chance auf ein neues Leben bekommen haben. Die Kinderfarm von Aricesti hat sich in den letzten Jahren zu einer großen Gemeinde entwickelt, in denen unsere Kinder in einer gesunden und natürlichen Umgebung aufwachsen können.

Es sind Hoffnungskinder, die neuen Halt gefunden haben, aber weiterhin begleitet und versorgt werden müssen.

Die Not der Kinder in Rumänien ist aber immer noch sehr groß:
Das rumänische Gesundheitsministerium hat kürzlich bedrückende Zahlen veröffentlicht: demnach leben 136.000 Kinder in staatlichen Kinderheimen, die von nicht mehr als 75 unausgebildeten Pflegern versorgt werden.
In diesen Heimen achtet niemand auf das Schreien und Weinen der Kinder, Gruppen-kämpfe zwischen Altersgruppen und das Recht des Stärkeren beherrschen das Klima und lassen wenig Raum für Liebe und Zuneigung.

In diesen Waisenheimen entsteht der Kreislauf der Ausgestoßenheit und Hoffnungslosigkeit, aus dem es für die Kinder fast keine Möglichkeit gibt, aus eigener Kraft zu entkommen. Der Weg dieser Waisenkinder führt zu den Straßenkindern von Bukarest.

Wir möchten Ihnen in diesem Bericht ein neues Projekt vorstellen, das sich seit 1993 mit viel Engagement und bereits ersten Erfolgen den Waisenkindern von Dorohoi im Norden Rumäniens widmet.

Den Straßenkindern von Bukarest zu helfen, ist das Hauptanliegen unseres Vereines! Wir wollen aber auch an der Wurzel des Kreislaufs aktiv werden und uns der Hilfe für Waisenkinder zuwenden. Ebenso werden wir den erfolgreichen Einstieg in ein selbständiges Leben verstärkt unterstützen.

Ihre Spenden werden deshalb in drei Bereichen eingesetzt, über die wir Ihnen auf den folgenden Seiten berichten werden:

  • Hilfe am Beginn des Lebens

  • Hilfe für die Straßenkinder - Familie und Ausbildung

  • Integration in die Gesellschaft - Einstieg in das Berufsleben

Bitte beachten Sie auch den beiliegenden Prospekt, mit dem wir neue Paten gewinnen wollen. Es wäre uns sehr geholfen, wenn Sie diese Prospekte in Ihrem Bekanntenkreis verteilen. In der kommenden Generalver-sammlung sowie bei Diavorträgen in Innsbruck und Wien werden wir Ihnen weitere Informationen und genauere Einblicke in die beiden Projekte in Aricesti und Dorohoi präsentieren.

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Hilfe am Beginn des Lebens - Der Verein HCI und die Waisenkinder von DOROHOI

Dorohoi ist eine Stadt im Nordosten Rumäniens, nur wenige Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Es gibt nicht viel Grund dorthin zu fahren, graue Plattenhäuser prägen das Stadtbild, hinter deren grauen Fassaden sich ein trister Alltag verbirgt.

Etwas außerhalb von Dorohoi steht eines jener berüchtigten Waisenheimen, die unter dem Ceausescu Regime im ganzen Land errichtet wurden, und wo die ausgestoßenen und verlassenen Kinder nach militärischen Prinzipien erzogen werden. Erst langsam entsteht in Rumä-nien ein Bewußtsein für die gesellschaftlichen Schäden, die hier nach wie vor verursacht werden.

In diesen Heimen ist eine normale Entwicklung nicht möglich: Die Kinder sind in riesigen Schlafsälen untergebracht, um das Essen muß gekämpft werden, auf individuelle Bedürfnisse wird nicht eingegangen. Vielmehr herrscht hier das Recht des Stärkeren und somit Bedrohung und Angst.

Seit 1991 ist der Verein HCI (Hope for the Children International) mit Sitz in Deutschland darum bemüht, den Kindern Hilfe zu bringen. Seit 1995 betreuen zwei Helferinnen und zwei junge Pflegeeltern in vier von freiwilligen Helfern sanierten und mit Spenden finanzierten Wohnungen Kinder und Jugendliche bis etwa 17 Jahren. 

Ziel ist es, die kleinsten Kinder aus den Heimen zu nehmen - was mit vielen bürokratischen Schritten verbunden ist - und ihnen so früh wie möglich die psychischen Belastungen des Heimlebens zu ersparen. Wichtige Hilfe benötigen aber auch die Älteren, die kurz vor dem Eintritt ins Berufsleben stehen und nach Ziel und Orientierung suchen.

Im Frühjahr 1999 soll mit dem Bau eines Kinderdorfes in der Nähe der Stadt begonnen werden, um die Hilfe größer und effizienter gestalten zu können.

Thomas Hussl, Lukas Trentini und Thomas Schirmer haben im Sommer 1997 das Projekt besucht, und sind mit vielen positiven Eindrücken zurück gekommen. Unser Verein entschloß sich, die Sanierung der vierten Wohnung sowie deren Unterhalt ab der Hälfte des Jahres 1998 finanziell zu unterstützen.

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Hilfe für die Straßenkinder - Familie und Ausbildung - Die Kinderfarm und das Haus Sfintu Ignatiu

Das Leben der kleinen Gemeinde auf der Farm ist nach wie vor im Wachsen und voller Aktivität. Neben Ruth Zenkert ist Johannes Moosbrugger verantwortlich für die Farm.  

Die Kinder und Teenager nehmen aktiv am Farmleben teil, sie haben die Verantwor-tung für die Pflege des Gemüsegartens, kümmern sich um die Sauberkeit im Haus und helfen in Küche und Wäscherei.

Alle Kinder unseres Hauses gehen in die Schule, sie müssen sich noch nicht für eine Lehre oder eine spätere Schulausbildung entscheiden.

Anderen steht die nun mittlerweile staatlich anerkannte Ausbildung in den Werkstätten offen. Neben der von Ihnen finanzierten Tischlerei gibt es noch die Lehre in der Schlosserei und der Bäckerei. Die Produktion der Werkstätten kommt hauptsächlich der Farm selbst zugute.

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Integration in die Gesellschaft - Einstieg in das Berufsleben

Mit der Möglichkeit zu einer anerkannten Ausbildung ist eine wichtige Basis für das spätere Leben geschaffen. Nach der Ausbildung müssen die Kinder die Farm verlassen und lernen, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Die Jugendlichen sollen aber bei diesem Schritt nicht ohne Unterstützung bleiben, da es oft schwer ist, Arbeit zu finden und ein geregeltes Leben zu führen.

Um diese Integration zu ermöglichen hat Pater Georg Sporschill SJ 1998 in Bukarest ein Sozialzentrum eingerichtet. Dieses Zentrum (Sfintu Dimitri) ist Anlaufstelle für die jungen Erwachsenen. Die dort angestellten Sozialarbeiter sind ihre Ansprechspartner, die ihnen den Einstieg in das Berufsleben mit Hilfe von Sozialarbeitern erleichtern sollen.

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Brief von P. Georg Sporschil (Wien/ Bukarest, im August 1998)

Liebe Freunde!

Wovon träumt das Straßenkind? Seit sieben Jahren schon sind viele Kinder bei uns - in unseren Häusern, auf der Farm. Manche haben den Absprung in die Selbständigkeit geschafft, doch jeden Tag klopfen wieder Kleine in unserem Sozialzentrum an und stellen die Frage: Habt Ihr einen Platz für mich ?

Die Straßenkinder sind nicht mehr wegzudenken aus meinem Leben. Wie in einer Familie ist der Alltag oft mühsam, zumal einige unserer Kinder jetzt im "schwierigen Alter" sind und mit den seelischen Verletzungen aus ihren ersten Jahren zu ringen haben. Sie wurden nach der Geburt im Krankenhaus nie abgeholt, sie wurden weggelegt oder verstoßen, weil eine Ehe gescheitert war, jemand wegging oder einfach nicht mehr konnte. Die nächste Station waren überfüllte staatliche Heime, die erst langsam beginnen, besser zu werden; die Überforderung ist noch groß. Für viele kam dann die Straße mit ihren zwei Gesichtern - die Freiheit, der Zusammenhalt in der Bande auf der einen Seite, betteln, mißbraucht werden, Krankheit, Drogen und Kriminalität auf der anderen. Wenn die Qualen unerträglich werden, geht das Kind mit jedem Menschen, mit Verführern genauso wie mit Helfern. Wann immer ich so ein Straßenkind antreffe, frage ich mich: Was wird wohl aus ihm werden?

In den Ferien ist eine Gruppe unsere Großen zu Besuch nach Wien gekommen, als Belohnung für das erste gute Schuljahr und die bestandene Deutschprüfung auf der Farm. Zuerst wollten die Jugendlichen nicht den Prater, nicht in den Zoo und nicht eine Diskothek sehen, sondern ein Kinderheim. "Wie geht es hier den Kindern,wenn sie keine Eltern haben?" Wenn sie beim Essen "bitte" und "danke" sagen, dann tun sie das aus ganzem Herzen, und abends gehen sie, wie zu Hause auf der Farm, unaufgefordert in die Kapelle, um für die Wohltäter, Freunde und Erzieher zu beten. "Engel sollen ihnen helfen, damit ihre Kinder nie weglaufen." Manchmal kommt eine Bitte für die Mutter, die sie einmal finden möchten.

Mit glücklichen und dankbaren Kindern unterwegs zu sein: ich wüßte keinen schöneren Urlaub! Ohne Schule und ohne Schreibtisch ist Zeit zum Singen, Spielen, Fragen und Träumen. Unsere Großen denken darüber nach, wie sie einmal "allen armen Kindern in Rumänien helfen können, damit es keine Straßenkinder mehr gibt". Deshalb war ihnen der Besuch im Kinderheim am wichtigsten.

Liebe Freunde, dieses Urlaubserlebnis hat mich auf das Leitwort für das neue Schuljahr gebracht: "Ihr werdet den Himmel offen sehen" (Joh 1,51). Ursprünglich hat ein Flüchtling den Himmel offen gesehen - im Traum von der Himmelsleiter, auf der die Engel auf- und niedersteigen. Himmel und Erde sind verbunden. Es ist Jakob, der mit Gott und den Menschen zu kämpfen hat und nun auf der Flucht vor seinem Bruder ist, er hört aus dem offenen Himmel Gott sagen: "Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst und bringe dich zurück" (Gen 28,15). - Gott, erreicht Dein Wort auch unsere Kinder?

Jesus hat den offenen Himmel jenen verheißen, die mit ihm das Unterwegssein und den Traum von der Geborgenheit teilen. Die Zusage gilt für die Straßenkinder und für alle, die mit ihnen verbunden sind - durch Einsätze, Spenden und gute Gedanken. Wenn wir auf unsere kleinen Flüchtlinge schauen, öffnet sich damit nicht der Himmel ? Uns alle haben die Straßenkinder befreit aus Gedankenlosigkeit und Unzufriedenheit, aus unserer satten Welt, weil sie uns das eigene Glück entdecken ließen und uns zum Helfen, zum Geben, zum Beten bewegten. Sie sind es, die mein Leben reich machen. Sie geben Sinn und eine Geborgenheit, die mir niemand mehr nehmen kann. Umgekehrt hat unsere sichtbare und unsichtbare Gemeinschaft, in die wir die Kinder aufgenommen haben, schon Hunderte aus der Hölle der Straße herausgeholt.

"Ihr werdet den Himmel offen sehen", so lautet das biblische Wort für Flüchtlinge und Herbergsleute, wenn sie einander finden. Die einen geben Überleben und die anderen Lebensfreude; wer wem was gibt, ist unwichtig. Der Himmel öffnet sich über beiden. Weil ich das ganze weiß, getraue ich mich, Euch, Ihr treuen Freunde, um die weitere Unterstützung unseres Kinderwerkes in Rumänien zu bitten, um das tägliche Brot für unsere zwölf Hausgemeinschaften, das Sozialzentrum und das Nachgehen auf den Straßen. Für das "Haus vieler Kinder", unser Geimeinschaftsprojekt mit der Stadt Ploiesti, bitten wir um Bausteine.

Ihr werdet den Himmel offen sehen! Diesen Segen rufe ich Euch allen mit allen Kindern zu.

P. Georg Sporschill SJ

[ Inhalt ]


Impressum:

Verein "Ein Zuhause für Bukarester Straßenkinder"
Sillgasse 8a, 6020 Innsbruck
Hypo-Bank Tirol, Kto-Nr. 200 126 300

Konzept & Redaktion: Mag. Marianne Hörmann
Für den Inhalt verantwortlich: Mag. Marianne Hörmann, Dr. Thomas Schirmer, Eva Steger
Photos in der gedruckten Fassung: Veronika Oberhammer, Lukas Trentini, M. Hörmann
Druck & Layout der gedruckten Fassung: Thomas Kopriva, Claudia Wolf